Zweitinstrument für Jazz/Rock/Pop-Songs

piano-1396971_1920Monoton, langweilig und abgekoppelt von der Musik, so kann es einem schon mal ergehen, wenn man am Drumset einen Song lernen soll. Kein Wunder, denn in der Popmusik wiederholen sich nunmal die Rhythmen oftmals 3 Minuten lang. Schnell kommt der eine oder andere zu dem Schluss, dass es sich nicht lohnt, sich besonders intensiv mit dem Song auseinanderzusetzen. Meistens endet es damit, dass man die Kopfhörer aufsetzt und so lange zu dem Song spielt, bis man die gröbsten Abläufe verinnerlicht hat. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Trotzdem kann einen das Gefühl beschleichen, recht oberflächlich mit der Musik umzugehen und in der Art der Interpretation nicht richtig weiterzukommen. Ausserdem fällt es vielen in einer Band schwer, Verantwortung zu übernehmen, da sie es gewohnt sind, sich hinter einen perfekten Studioversion zu verstecken.

Was ist also möglich, um sich der Musik als Schlagzeuger verstärkt zu nähern und ein Gefühl von aktiver Mitgestaltung zu provozieren?

Eine Art ist sicher das „Üben mit Leadsheets für Schlagzeuger“ oder das „Üben mit Midis„, wie ich sie bereits im Blog vorgestellt habe. Ein zentraler Punkt ist jedoch, dass man auch als Schlagzeuger verstehen sollte, dass einen der tonale Bereich der Musik genau so betrifft wie den Keyboarder oder den Gitarristen. Das Drumset ist deshalb so besonders, weil es erstmal keine Töne produziert. Trotzdem kann man melodiös und harmonisch spielen. Rhythmus, Melodie und Harmonie ergeben eine Einheit, die den Song zum Leben erweckt. Neuinterpretationen sind erst möglich, wenn man alle Ebenen des Songs verinnerlicht hat. Diese lernt man am besten an einem Zweitinstrument.

Ich will also auf die Berührungsängste hinaus, die viele Schlagzeuger mit melodiösen oder harmonischen Aspekten des Songs haben. Oftmals besteht der Glaube, dass sich eine Auseinandersetzung nicht lohnt, da man ja nicht direkt am tonalen Geschehen teilnimmt. Dies ist wahrscheinlich der grösste Trugschluss überhaupt in der modernen Drumset Pädagogik. In der Welt des klassischen Schlagzeugs besteht kein Zweifel, dass man auch Stücke auf dem Xylophon, der Pauke oder dem Vibraphon lernt. Nun soll das kein Plädoyer sein, dass man als Jazz/Rock/Pop begeisterter Drumset Spieler eine klassische Schlagzeug Ausbildung braucht. Das ist sicher auch okay, aber es gehört eben auch zu den Problemen der Schlagzeug Welt, dass es zu viel Material und Instrumente gibt, die man nicht alle beherrschen kann. Ab einem gewissen Zeitpunkt sollte sich daher herauskristallisieren, wo die persönlichen Präferenzen liegen.

Hier soll es also um den Punkt gehen, an dem man sich für das Drumset mit seinem Jazz/Rock/Pop Kontext entscheidet. Viele sind von da an der Meinung, dass es an der Zeit ist, wie besessen Technik und Rudiments zu üben. Aber dieser Weg endet oft in einer Sackgasse, weil die melodiösen und harmonischen Zusammenhänge verkümmern und die Technik nicht richtig in den Zusammenhang der Songs gesetzt werden kann. Meiner Meinung nach gilt das für jedes Niveau. Wenn man sich ausschliesslich mit Rhythmik beschäftigt, wird die Musik  schnell auch mal unvollständig und langweilig.

Für einen klassischen Schlagzeuger ist es selbstverständlich, dass er neben dem Bolero auf der Snare Drum auch den Zauberlehrling am Xylophon beherrscht. Wir täten gut daran, die gleiche Einstellung auch für den Jazz/Rock/Pop Kontext zu etablieren. Songs, die man am Vibraphon, auf der Gitarre, dem Klavier oder einfach dem Gesang, beherrscht, wird man auch am Schlagzeug besser spielen können.

Gerade im Jazz/Rock/Pop Bereich gibt es viele Songs, die ganz einfach zu lernen sind. Das Blues Schema sei mal als erstes genannt. Viele Songs bestehen ebenfalls nur aus 2 oder 3 Akkorden. Es ist super, dass man in diesem Genre mit ganz wenig Aufwand schon Musik machen kann. Also nichts wie ran an die Zweitinstrumente, den Gesang oder den Synthesizer.

 

 

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„Syncopation“ mit Songs

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Rhythmusmelodie, die als Syncopation Linie gelesen werden kann und z.B. in Songs wie „Ganz Anders“ von Udo Lindenberg vorkommen.

„Syncopation“ von Tedd Reed gehört zu bekanntesten Schlagzeugbüchern. Reed notiert dort Rhythmen und überlässt das Interpretieren des Notentextes dem Spieler. Man kann z.B. beschliessen, dass man seine notierten Rhythmen alle mit der Bass Drum spielen will und gleichzeitig dazu ein Rock – Ostinato in der Hi-Hat und der Snare Drum läuft. Dieses Beispiel wird auch in Gary Chesters Buch „The New Breed“ gezeigt. Auch im oben notierten Notentext wollen wir die Rhythmen so interpretieren, dass die Bass Drum den Hauptrhythmus, die Hi-Hat durchgehende Achtel und die Snare auf 2 und 4 spielt.

Die Rhythmusmelodie, die ich im Beispiel notiert habe, könnte aus der Rhythmusgruppe von Udo Lindenbergs Panik Orchester stammen. Auf dem Live Album „Stark wie zwei“ befindet sich z.B. ein Song mit dem Titel „Ganz anders“. Im Original spielt der Schlagzeuger einen anderen Rhythmus in der Bass Drum. Mit den obigen Noten könnt ihr in der Bass Drum unisono mit Gitarre und Bass zusammenspielen, was eine Menge Spass macht. Ausserdem gibt es einige Fills, die die Phrasen auflockern und abrunden. Wenn man das beherrscht, kann man einen Schritt weitergehen und die Rhythmen von Gitarre/Bass/Klavier auch mit anderen Trommeln und Sounds variieren. Am besten lässt man seiner Fantasie bei der Instrumentierung und Ausgestaltung freien Lauf. Viel Spass dabei!

Syncopation mit Songs (PDF von den Noten)

Groove: Übemethoden und Verständnis

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Beats und Rhythmen sind von der Koordination her schnell gelernt. Trotzdem ist das korrekte Spiel von Bass Drum, Hi-Hat und Snare nur die halbe Miete. Erst wenn der Groove hinzu kommt, wird der Rhythmus lebendig. Mit der Notenschrift ist es derzeit nicht ausreichend möglich, den zentralen Aspekt und die Magie des Grooves zu notieren. Daher ist das Thema selbst für viele Schlagzeuger nicht immer leicht zu erfassen.

Deswegen soll es hier um einige Ansätze gehen, wie man den Groove besser verstehen und erlernen kann.

Was ist Groove?

Mit anderen Worten ausgedrückt würde man vielleicht sagen, dass es um pulsierende Rhythmen geht, also Rhythmen, die einer gewissen Regelmässigkeit unterliegen. Sie sind zudem so akzentuiert, dass sie in einer besonderen Weise anfangen zu schwingen. Man erkennt deutlich wiederkehrende Schwerpunkte und Unterteilungen (Mikro und Makro Beats). Jeder kennt die dadurch entstehenden Schwingungen. Sie durchdringen den Körper und man könnte anfangen zu tanzen. Beim Groove geht es um körperliche Bewegung. Bei zu starken Unregelmässigkeiten im Rhythmus fällt es schwer, sich zu Bewegen (Ausdruckstanz ausgenommen;).

Wie sehr ist der Schlagzeuger für den Groove verantwortlich?

Es gibt den Spruch: „Wenn ein schlechter Schlagzeuger in einer mittelmässigen Band spielt, wird die Band schlecht klingen. Spielt jedoch ein sehr guter Schlagzeuger in einer mittelmässigen Band, wird die Band ziemlich gut klingen.“

Groovt der Schlagzeuger, kann sich der Rest der Band an seiner Phrasierung orientieren und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Musik insgesamt groovt. Damit ist die halbe Miete in der Jazz/Rock/Pop Musik häufig schon erreicht.

Wie sehr ist der Rest der Band für den Groove verantwortlich?

Ich würde den Spruch noch erweitern. „Wenn ein sehr guter Schlagzeuger mit einer mittelmässig groovenden Band spielt, wird diese Band zwar gut klingen, aber nie wirklich grossartig werden.“

Auch wenn viele Musiker die Verantwortung gerne dem Schlagzeuger zuschieben würden, sind sie in einem hohen Masse mitverantwortlich für den Groove. Die Band von James Brown oder Michael Jackson hatten vielleicht auf den ersten Blick ziemlich enge Grenzen in den Arrangements. Der grosse Bereich den sie tief erschlossen haben, waren die Nuancen im rhythmischen Zusammenspiel und die dadurch entstehenden Grooves. Dieser Aspekt wird leider in sehr vielen Bandproben komplett vernachlässigt. Rhythmusgruppen proben lieber Form, Soli und Kicks, statt sich den Feinheiten des Grooves zu widmen.

Wie kann man Groove üben?

1. Technik und Tanz

Am wichtigsten ist meiner Meinung nach der tänzerische Aspekt, also die Rundheit der Bewegungen des Körpers. Jeder, der mal einen Tanzkurs gemacht hat, weiss, dass sich die ersten Schritte komisch anfühlen. Erst nach einer gewissen Zeit automatisiert man seine Bewegungen und der Spass setzt ein. Geduld und Sorgfalt zahlen sich am Anfang des Lernprozesses aus.

Viele denken, dass es groovt, sobald man korrekt zum Metronom spielt. Es kann aber sein, dass das Tempo für den Köper noch zu schnell oder zu langsam ist. Korrigiert wird das oft durch Verkrampfungen, aus welcher sich der Groove nicht richtig entfalten kann bzw. der Spass am Spielen verloren geht. Daher sollte man meiner Meinung nach Grooves nicht permanent mit dem Metronom üben. Die Grundlage für einen konstant guten Groove ist ein konstant gutes Körpergefühl. Um dies spezifisch zu trainieren, empfiehlt sich eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Üben im Flow“ für Musiker. Auf der Homepage vom Jazzgitarristen Max Frankl gibt es hier einige Information dazu.

2. Transkribieren, Kopieren und Zuhören

Aufmerksames Zuhören und das Kopieren der eigenen Lieblings-Schlagzeuger, schärft die Wahrnehmung im Zusammenhang mit der Artikulation und der Phrasierung. Es mag zwar verrückt klingen, aber Grooves kann man derzeit nicht ausreichend notieren. Die Schlagzeug Bücher sind zwar voll davon, aber was die eigentlichen Grooves zum grooven bringt, lässt sich nur über das Gehör nachvollziehen. Oftmals ist es auch hilfreich, statt zum Playalong, zur Originalversion zu spielen, damit man lernt, den Schlagzeugerund seinen Groove zu imitieren.

3. Ghostnotes, Leerschläge und Handpercussion

Zudem lohnt sich ein genauer Blick auf die Mikro-Ebene der Grooves. Oft wird diese sicht- und hörbar durch Ghostnotes oder Leerschläge. Ghostnotes oder Leerschläge füllen die Pausen zwischen den Akzenten des Grooves und legen sich wie ein Raster, Grid oder Teppich hinter die Akzente. Stimmt die Konstanz der Bewegung, die Regelmässigkeit der Maschen, die Dehnbarkeit des Musters und der Artikulation im Kleinen, überträgt sich dies auf das grosse Ganze. Im Internet finden sich sehr viele Ghostnote Übungen. Um das Gefühl für das Kontinuum zu bekommen, empfehle ich auch den Einsatz von Handtrommeln (Djembe, Konga etc.), da durch den direkten Kontakt der Hand zum Fell, der Puls besonders spürbar wird. Man kann z.B. 16tel mit unterschiedlichen Akzenten zu seinem Lieblingslied trommeln, bis man das Gefühl bekommt, das die Bewegungen sich verselbständigen und der Groove anfängt zu atmen.

4. Rhythmus-Clave, Schwerpunkte, Verschiebungen

Man kann sich aber auch fokussieren auf die Akzente, also die wichtigen rhythmischen Schwerpunkte (Makro Beats). Sie sollten so gut im Ohr sein, dass man sie variieren kann, ohne den Fluss oder das Kerngerüst des Grooves zu stark zu verändern. Die meisten Stücke haben eine rhythmische Clave, also sich wiederholende Schwerpunkte, die mitunter von Formteil zu Formteil leicht oder stark variieren. Sie erhalten ihren melodiösen oder spannungsgeladenen Charakter oft durch Verschiebungen. Rhythmen wie 3 gegen 4, 4 über 3, 5 über 4 usw. stärken das Verständnis von Timing und Tradition der Jazz/Rock/Pop Grooves. Die Arbeit mit Rhythmus-Claven, welche sich bei weitem nicht nur auf Latin Musik beschränkt, wird Thema eines weiteren Artikels sein, den ich an dieser Stelle verlinken werde.

5. Metronom, Stilsicherheit

Natürlich lohnt sich auch das Üben zum Metronom. Ich sehe vor allem die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Tempi kennenzulernen und diese zum Grooven zu bringen. Zum Click oder zum Backingtrack grooven ist heute eine zentrale Anforderung an Schlagzeuger. Oft sind die unterschiedlichen Tempi auch einem Genre zuzuordnen. Ganz deutlich wird das in der Elektronischen Musik. Hier ist z.B. ein Bpm Genre Chart von diesem Genre. Etwas ähnliches könnte man auch für die Jazz/Rock/Pop Musik aufstellen. Falls jemand ein BPM Genre Chart für weitere Musikrichtungen hat, möge er es doch gerne unter diesen Artikel posten.

Üben mit Leadsheets für Schlagzeuger

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Schlagzeuger und Noten – ein nicht immer einfaches Thema. Einer der Gründe könnte sein, dass Leadsheets selten Teil des Schlagzeugunterrichts sind. In Bandworkshops oder Bandproben erhält man jedoch häufig Noten als Leadsheets, was sich wiederum selten mit den Noten deckt, die man aus dem Unterricht und in der Schlagzeugliteratur so kennt. Daher lohnt sich ein genauer Blick auf dieses Thema.

Die Informationen für Schlagzeuger sind allerdings auf Leadsheets häufig ziemlich versteckt. Folgende Punkte sollte man hier beachten und erlernen:

 

1. Oben links steht das Wichtigste – die Stilistik:

Diese Information ist oft der einzige Orientierungspunkt für den Schlagzeuger. In den meisten Fällen findet sich nämlich keine einzige Note für das Drumset. Wie soll man also wissen, was man spielen soll?

Man sollte also stilsicher sein. Stehen dort Sachen wie „Funk“ oder „Rock“, mag das Ganze noch relativ simpel sein. Aber wie sicher ist man bei Begriffen wie „Medium Ballad“, „Fast Swing“ oder „Calypso“?

Daher lohnt es sich, diese Stilistiken in seinem Langzeitgedächtnis zu speichern, verschiedene Leadsheets anzuschauen und sein Vokabular in Hinblick auf die Stilistiken immer wieder zu erweitern. Sicherlich spielt hier auch Erfahrung eine grosse Rolle.      

Vereinzelt finden sich notierte Grooves auf den Sheets. Man sollte selbige aber nicht zu stur spielen, sondern Freiraum lassen für eigene Interpretationen des Rhythmus.

2. Die Form:

Leadsheets beinhalten meistens den gesamten Ablauf des Stückes auf nur einer oder zwei Seiten. Daher gibt es viele Wiederholungszeichen, Klammern, Dal Segno Zeichen oder Codas zu beachten. Meistens spricht man zwar den Ablauf gemeinsam durch, aber trotzdem ist es ein grosser Vorteil, wenn man als Schlagzeuger den Ablauf auch grafisch verstanden hat. Das Formgefühl kann sich deutlich schneller entwickeln und dazu beitragen, dass man mehr Songs auf einmal lernen kann.

Die vielen unterschiedlichen Wiederholungen sind nicht immer auf den ersten Blick zu erfassen. Daher macht es Sinn, sich für das Verständnis des Ablaufes etwas Zeit zu nehmen. Die Abschnitte sind gedanklich zu gliedern in A, B, C-Teil oder Strophe, Refrain, Bridge etc., falls das wie z.B. in vielen Realbooks noch nicht geschehen ist. Gut sind auch eigene Markierungen oder Bearbeitungen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei Diskussionen um den Ablauf (welche ziemlich oft vorkommen und oft auch etwas nerven;)) mitreden kann, sich die Sachen notieren kann und nicht ständig darauf angewiesen ist, sich die Änderungen auswendig zu merken. Gerade am Anfang der Erarbeitung kann das eine grosse Hilfe sein. Ausserdem ist es eine gute Gedächtnisstütze.

3. Die Kicks                                          

Dieses Thema ist eigentlich ein eigenes für sich, denn dass Spielen von Kicks bedarf genauer angeschaut zu werden. Dazu empfiehlt sich vor allem die gängige Big Band Literatur für Schlagzeuger.

Grundsätzlich sollte Ausschau gehalten werden nach häufig mit Kreuzen versehenen Noten, die etwas über der normalen Notenschrift notiert sind (in der Schlagzeugliteratur sind das oft die Becken Noten). Diese Akzente sollten aus dem Groove heraus vorbereitet und akzentuiert werden. Passiert dies nicht, ist das Stück unter Umständen nicht gut wiedererkennbar. Ein Beispiel wäre das Stück „Cantaloupe Island“ von Herbie Hancock, wo es dazu gehört, dass auch das Schlagzeug im B-Teil die Kicks spielt.

4. Der Rest (Akkorde, Rhythmen, Melodie und Lyrics)

Auch der Rest der Informationen eignen sich für die Orientierung des Schlagzeugers, auch wenn dieser natürlich nicht in der Lage ist, die tonalen oder textlichen Informationen direkt umzusetzen.

Trotzdem bieten Akkordsymbole, Melodie und Songtext viele Hinweise auf mögliche Interpretationsformen. Natürlich geht das nicht ohne eine gewisse Übung und Auseinandersetzung mit tonalem Notenmaterial, aber genau dies lohnt sich, um Zusammenhänge zwischen Rhythmus und dem Rest des Stückes, besser zu verstehen und spielen zu können. Viele Schlagzeuger sind nicht zufällig gleichzeitig auch noch Pianisten, Gitarristen oder beschäftigen sich sonst auf irgend eine Weise mit tonalen Zusammenhängen.

Moduliert beispielsweise eines der Teile in eine Moll Tonart, ist das ein Hinweis auch für den Schlagzeuger, seinen Ausdruck in gewisser Weise anzupassen. Gibt es lange modale Passagen, kann es ein Hinweis auf eine flächigere Begleitung sein.

Aber es geht auch durchaus einfacher. Texte kann jeder verstehen und interpretieren. Und auch das kann einem eine Orientierung bieten und dazu führen, sich Gedanken zu seinem Schlagzeugspiel im Zusammenhang mit der Musik zu machen.

Melodie oder Harmonie-Linien können Inspiration für Fill-Ins, Grooves oder Solis sein. Es macht bestenfalls einfach Spass, sich mit dem Song auf der ganzen Ebene zu befassen und sich als Schlagzeuger nicht in die Enge treiben zu lassen, in der man einfach eine Rhythmusmaschine ist, die an der Interpretation und Mitgestaltung des Songs sonst nicht viel beizutragen hat.

 

Natürlich gibt es auch andere Noten für Schlagzeuger. Gerade im Internet findet man immer häufiger vollends ausnotierte Songs. Dazu ist zu sagen, dass sich das in der gängigen Spielpraxis meiner Meinung nach nicht richtig bewährt. Jazz/Rock/Pop Musik gestaltet sich immer individuell und lebt von der Improvisation entlang eines bekannten Gerüstes.

Es gibt aber auch fast nackte Drumsheets, wo lediglich die Taktzahlen und die Form, sowie einige Grooves und Fills notiert sind. Grundsätzlich finde ich aber, dass der Schlagzeuer damit vom Song abgekoppelt ist und weniger Material für seine eigene Kreativität vorfindet. Deswegen empfiehlt sich die Auseinandersetzung mit Leadsheets in besonderem Masse auch schon im Unterricht, bevor es in die erste Bandprobe geht.

Pflichtstücke Drumset ZH

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Hier ist eine Playlist Übersicht der Pflichtstücke der Musikschule Konservatorium Zürich vom Fach Drumset. Eigentlich sind die Stücke der Jazz/Rock/Pop Welt selten in Schwierigkeitsstufen unterteilt. Dies liegt sicher daran, dass man sie auf ganz unterschiedlichen Niveaus individuell interpretieren kann. Trotzdem gibt es auch hier unterschiedliche Schwierigkeitsstufen.

Ich glaube, dass die unterschiedlichen Stufen motivieren können. Sie sind eine Orientierungshilfe, man kann sich schnell neue Ziele setzen usw… Jede Musikschule hat wieder andere Pflichtstücke, die sich zum Teil von Jahr zu Jahr ändern.

Auffällig ist, dass die Stücke fast alle älter sind als 20 Jahre… – aber dafür mit Sicherheit Standards im Repertoire! Man findet zu fast allen Songs Midis, mit denen sich besonders gut die Form üben lässt, bzw. Minus Drums Tracks. Ausserdem lassen sich die meisten auch an einer Session spielen. Hier gibt es weitere Informationen zu den Zürcher Stufentests.

Sollten sich die Musikschulen überregional und zwischen den Instrumenten der Jazz/Rock/Pop Richtung auf ein gemeinsames Pflichtrepertoire in Zukunft einigen können, würde es meiner Meinung nach das Zusammenspiel schon in jungen Jahren vereinfachen.

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Hier ist die Ergänzung zum Blatt: Schlagzeug Technik Checklist. Diesmal dreht sich alles um die ternäre Welt, welche sich vor allem durch das Timing und die stärker abwechselnde Gewichtung von rechten und linken Schlägen, unterscheidet.

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Zudem sind die Tempi diesmal von 50 bpm aufwärts in 20er Schritten verfasst, um auch in der ungerade Timing Welt, stabil zu werden. Diese Scala empfiehlt sich ebenfalls für die binäre Checklist. Allgemein gilt: Je geringer die Abstände zum vorherigen Tempo sind, desto genauer muss man sich auf das neue Timing einstellen. Die 20er Schritte dieser Scala sind also vor allem zum Erlernen der benötigten, technischen Schnelligkeit, gedacht. Hier gehts zum PDF

Midi is a (Drum)Teacher

Vor allem in der Musik Produktion ist das Midi Format durch hochwertige Samples nicht mehr wegzudenken.

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Die Vorteile von Midi zum Erlernen von Songs scheint bisher jedoch wenig in den Köpfen zu sein. Dabei sind die Möglichkeiten schier endlos und sowohl im Selbststudium als auch für Lehrer vielseitig und schnell anwendbar. Die wichtigsten Funktionen im Überblick z.B als Playalong, sind:

  • Tempo ist frei wählbar
  • Metronom lässt sich an und abstellen
  • Schwierige Stellen lassen sich per Loop üben
  • Instrumente lassen sich muten (z.B. nur mit der Bassline üben)
  • eigene Ideen werden gefördert durch die simpleren Strukturen
  • Sound ist auch mit günstigen Programmen wie Garageband oder Studio One recht ordentlich und wird immer besser
  • Abschnitte lassen sich visuell erkennen 
  • schnelle Arrangier-Optionen 
  • viele exakte und vollständige Versionen online verfügbar 
  • Noten sind ersichtlich
  • Files lassen sich direkt mit Notationssoftware öffnen z.B. Muse Score
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Midi File im Note Editor von Logic

Für Drummer liegt der Vorteil besonders im frei wählbaren Tempo und den vielen Möglichkeiten zum Erlernen der Form. Schwerere Übergänge können gezielt geprobt werden, ohne dabei die Bandmitglieder unnötig zu nerven.

Es gibt zwar erstaunlich viel gute und detailreiche Files, aber immer wieder findet sich auch schlechtes Material. Im Zweifelsfall lohnt sich das Gegenhören mit der Originalversion.