Midi is a (Drum)Teacher

Vor allem in der Musik Produktion ist das Midi Format durch hochwertige Samples nicht mehr wegzudenken.

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Die Vorteile von Midi zum Erlernen von Songs scheint bisher jedoch wenig in den Köpfen zu sein. Dabei sind die Möglichkeiten schier endlos und sowohl im Selbststudium als auch für Lehrer vielseitig und schnell anwendbar. Die wichtigsten Funktionen im Überblick z.B als Playalong, sind:

  • Tempo ist frei wählbar
  • Metronom lässt sich an und abstellen
  • Schwierige Stellen lassen sich per Loop üben
  • Instrumente lassen sich muten (z.B. nur mit der Bassline üben)
  • eigene Ideen werden gefördert durch die simpleren Strukturen
  • Sound ist auch mit günstigen Programmen wie Garageband oder Studio One recht ordentlich und wird immer besser
  • Abschnitte lassen sich visuell erkennen 
  • schnelle Arrangier-Optionen 
  • viele exakte und vollständige Versionen online verfügbar 
  • Noten sind ersichtlich
  • Files lassen sich direkt mit Notationssoftware öffnen z.B. Muse Score
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Midi File im Note Editor von Logic

Für Drummer liegt der Vorteil besonders im frei wählbaren Tempo und den vielen Möglichkeiten zum Erlernen der Form. Schwerere Übergänge können gezielt geprobt werden, ohne dabei die Bandmitglieder unnötig zu nerven.

Es gibt zwar erstaunlich viel gute und detailreiche Files, aber immer wieder findet sich auch schlechtes Material. Im Zweifelsfall lohnt sich das Gegenhören mit der Originalversion.

Schlagzeug Solo „Kyle“

fig_1Ein Schlagzeug Solo zu spielen ist für viele Anfänger erstmal abstrakt. Ist das Ganze weder ausnotiert noch völlig frei, fehlt oft eine Idee davon,  wie man das Solo strukturieren kann.

Ich habe mit der Hilfe des Logic Pro X Drummers „Kyle“ ein simples Solo erstellt, damit Schüler verstehen, dass ein Schema eine zentrale Orientierung bieten kann und das weniger oft mehr ist. Hier gibts das Stück „Kyle One“ zum anhören. Hier gehts zur Midi Datei, um selber daran zu basteln: „Kyle One Midi“. Hier gehts zum PDF mit der Form: „Kyle One PDF“

Dabei lässt sich die Form mit der Arrangement Funktion in Logic sehr leicht erstellen. Der Drummer passt sich den Klischees an, die in einer Bridge oder einem Intro etc. gespielt werden. So ist mit wenigen Klicks eine Form entstanden, die ein Drummer auch in einem Rocksong spielen könnte.

Verändert man dann noch die Parameter und setzt die Häufigkeit der Fill-Ins ganz nach oben, klingt das Ganze schon ziemlich solistisch. Zudem habe ich noch 2 Stellen hinzugefügt, die den ansonsten durchgehenden Groove leicht aufbrechen.

Im Idealfall wird dem Schüler deutlich, dass das Ziel nicht ist, den Logic Drummer Note für Note zu transkribieren, sondern dass die Fill-Ins und die Improvisation der Grooves einerseits zwar einem Schema folgen, andererseits jedoch sehr offen sind für die eigene Improvisation.

Fertig ist ein Groove Solo, welches sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene so pimpen können, wie Sie es gerade möchten und können. Zum Glück klingt das dann nochmal deutlich besser als aus der Konserve!

MUSE SCORE 2.0, NOTATIONSSOFTWARE MIT PDF KONVERTIERUNG

Gerade habe ich die neue Notationssoftware „MUSE SCORE 2.0“ ausprobiert. Vor allem habe ich mich über die unverschämt hohen Preise von Sibelius und Finale geärgert. Ich meine mich nicht daran erinnern zu können, dass die Programme damals schon bis zu 500 Euro gekostet haben oder im Abo bis zu 20 Euro im Monat verlangt werden. Allein daher sollte man eine Open Source Plattform wie Muse Score zumindest mal ausprobieren.

Meine alte Sibelius Version unterstützt zudem noch keinen PDF Import. Es gibt zwar für die aktuelle Sibelius Version eine gratis Funktion mit dem Namen „Photo Score Lite“. Für die professionellere Lösung „Photo Score Ultimate“ werden aber nochmals 200 Euro fällig.

Muse Score 2.0 ist also perfekt für Alle, die mal ausprobieren wollen, wie die Scans von PDF Noten von einem Notationsprogramm importiert und dargestellt werden. Bei meinem Test hatte die Schlagzeugnotation noch einige Fehler die aber mit einiger Umgewöhnung von Sibelus zu Muse Score leicht zu berichtigen war.

Ich denke, dass die Lehrer der Zukunft auch Instanzen sein werden, die Inhalte aus dem Internet filtern und neu anordnen. Copy and Paste ist bei Musiknotation wahrscheinlich so kompliziert wie sonst bei kaum etwas. Jeder Nutzer kann heutzutage Bilder, Texte oder andere Dateien bearbeiten und frei anordnen. Nur bei Musiknotation gibt es noch zu viele Barrieren. Ausserdem fehlt die Integration und Interaktion mit anderen Programmen wie z.b. Open Office usw. Ich hoffe, dass sich dieser Umstand bald ändert.

 

NACHTRAG 2: DAS DAW-MUSIKSOFTWARE-WINDOWS PROBLEM

Seit kurzem gibt es „Pro Tools“ als kostenlose Version. Das klingt erstmal fast zu schön um wahr zu sein, denn Pro Tools wird immer wieder als das Nonplusultra der Musik-Softwares gehandelt. „Pro Tools First“ heisst die kostenlose Version und es gibt sie sowohl für Windows als auch für Mac. Gelingt einem der Einstieg in das Programm, so kann man davon ausgehen, dass sich die Einarbeitung auf lange Sicht lohnt.

Für Schüler und Lehrer, die sich etwas Neues aneignen wollen, gibt es aber auch Nachteile. Das Programm ist für professionelle Studioarbeit konzipiert und Einarbeitung und Einstieg fallen eher schwer. Es wird zudem davon ausgegangen, dass man eine entsprechende Ausstattung wie Midi-Kontroller oder ein Interface besitzt. Das unkomplizierte „einfach mal drauf los basteln mit PC-Tastatur und internem Mikro“ wie es Garageband grandios ermöglicht, fehlt leider. Lehrer, die gut eingearbeitet sind, könnten Frustrationen abfedern, indem sie Schüler gut einarbeiten und Work-Arounds aufzeigen. Ausserdem gibt es viele Tutorials zu Pro Tools und eine grosse User-Community.

Die meisten Funktionen sind vor allem für Anfänger in absolut ausreichendem Masse vorhanden. Grösstes Manko ist allerdings, dass man nur 3 Projekte gleichzeitig speichern kann. Es gibt jedoch für Schüler und Lehrer die Möglichkeit, Jahreslizenzen für ca. 100€ zu erwerben. Ich halte dies für einen cleveren Schachzug der Preispolitik. Eine endgültige Lösung für das DAW-Windows Problem ist es aber in meinen Augen noch nicht, da die erwähnten Nachteile für Schüler noch zu gravierend sind im Vergleich zu Programmen wie Garage Band. Vielleicht hat ja jemand eine Lösung…

NACHTRAG: DAS DAW-MUSIKSOFTWARE-WINDOWS PROBLEM

Um es kurz zu machen: LMMS und die Variante mit Garageband für Windows haben sich als unpraktisch herausgestellt.

Besser scheint die ebenfalls kostenlose Software STUDIO PLUS ONE zu sein. Zumindest konnte ich das an meinem Mac schon testen. Plattformübergreifende Software wie Studio Plus One sind für Musikpädagogen, die mit unterschiedlichen Schülern arbeiten müssen, ein grosses Plus. LMMS scheint jedoch veraltet. STUDIO PLUS ONE motiviert durch eine modere Aufmachung und den gefühlt neuesten Stand der Technik.

Vielleicht kann man Garageband auch auf einem Windows Rechner zum laufen bringen, aber die oben genannten Links scheinen nach Tests von Schülern mit Windows PCs doch instabil und unseriös. Falls Schüler den Wunsch äussern, Geld zu investieren, empfehle ich diesen Artikel um sich einen Übersicht zu schaffen:

http://ehomerecordingstudio.com/best-daw-software/ . Die Moral von der Geschicht: „Wer als Instrumentallehrer unterricht‘, der schmeisse seinen alten Windows PC weg….nicht ;)“.

„ONE NOTE“ FÜR INSTRUMENTALPÄDAGOGEN

Ich kann das Programm One Note von Microsoft auch für Instrumentalpädagogen empfehlen. Nach einer längeren Suche nach einem Archivierungsprogramm für den Unterricht habe ich mich für One Note entschieden, da es folgende Möglichkeiten bietet:

  1. Multimediale Dokumentation der Stunde:
    Audio-Recorder und Kamera sind integriert und Aufnahmen gelangen bequem an den richtigen Ort. Dies gelingt besonders komfortabel via Smartphone oder über den Laptop. Am Ende des Jahres kann mit wenig Aufwand ein chronologisches, digitales und multimediales Album der besten Momente des Unterrichtsjahres für Schüler und Eltern erstellen.
  2. Einfügen von Onlinevideos:
    Das Einfügen von Online Videos, wie z. B. Youtube Videos, ist möglich. Leider können lokale Videos nur durch einen Online Upload im Programm erscheinen. Trotzdem werden Videos direkt als Audio Spur konvertiert und erscheinen so trotzdem im One Note Dokument.
  3. Einfügen von PDFs:
    Noten können als PDF direkt eingefügt und archiviert werden.
  4. Einfügen von Auszügen aus Sibelius oder dem Web:
    Durch die Funktion „Grafik auswählen“ kann man auch kleinere Bereiche in Sibelius Scores markieren und durch copy and paste in das One Note Dokument einfügen. Die Clipper Funktion ermöglicht das Einfügen von allen Inhalten aus dem Web.
  5. Kommunikation / Synchronisation mit den Schülern, Kollegen und Eltern:
    Notizbücher können mit den jeweiligen Schülern, Kollegen oder Eltern geteilt werden. Dokumentierte Hausaufgaben, Erinnerungen durch Anhören der im Unterricht gemachten Aufnahmen, Abrufen von PDFs und vor allem eine „Handschrift“, die immer leserlich ist, erleichtern die Kommunikation zwischen Schülern, Lehrern und Kollegen.
    5) Individuelle Sortierungs- und Ordnungsmöglichkeiten:
    Durch die Rubriken „Notizbuch“, „Ordner“ und „Unterordner“, lassen sich beliebig viele Ordnungssysteme individuell gestalten. Meine Ordnung lautet: Schulname = Name des Notizbuches; Ordner = ein Ordner pro Tag, an dem ich unterrichte; Unterordner = Namen der Schüler und Unterrichtszeit.
  6. Plattformübergreifend und kostenlos:
    Schüler und Lehrer können mit jedem Betriebssystem die App kostenlos installieren oder online im Browser darauf zugreifen. Einzige Hürde ist dabei die Errichtung eines Microsoft Kontos. Dies lässt sich SO umgehen.
  7. Lokale Backups:
    Das Programm speichert alle Änderungen zwar permanent, aber dies geschieht nur in der Cloud. Leider funktioniert die automatische Speicherung auf lokale Datenträger nur bei Windows. Mac User können trotzdem manuelle Backups erstellen, indem Sie bei One Note Online auf „Verwalten und löschen“ klicken und dann den Dokumente Ordner von One Drive downloaden, wo sich die One Note Dateien samt Anhängen, befinden.

Diese Form der Kommunikation ist sicher neu für viele Schüler und Eltern. Für jüngere Schüler scheint es mit eher nicht geeignet. Ich verwende es primär als Archivierungsprogramm, werde aber das Synchronisieren bald mit älteren Schülern ausprobieren. Spannend finde ich die neuen Möglichkeiten der multimedialen Pädagogik. Vor allem sehe ich aber eine organisatorische Vereinfachung dadurch, dass man alles übersichtlich an einem Ort ablegen kann. „So may there be a digital heaven?!;)“